Fünf Gesänge



Zum erstenmal seh ich dich aufstehn


I

 

Zum erstenmal seh ich dich aufstehn,

hörengesagter, fernster, unglaublicher Kriegs-Gott.

Wie so dicht zwischen die friedliche Frucht

furchtbares Handeln gesät war, plötzlich erwachsenes.

Gestern war es noch klein, bedurfte der Nahrung, mannshoch

steht es schon da: morgen

überwächst es den Mann. Denn der glühende Gott

reißt mit Einem das Wachstum

aus dem wurzelnden Volk, und die Ernte beginnt.

Menschlich hebt sich das Feld ins Menschengewitter. Der Sommer

bleibt überholt zurück unter den Spielen der Flur.

Kinder bleiben, die spielenden, Greise, gedenkende,

und die vertrauenden Frauen. Blühender Linden

rührender Ruch durchtränkt den gemeinsamen Abschied,

und für Jahre hinaus behält es Bedeutung,

diesen zu atmen, diesen erfüllten Geruch.

Bräute gehen erwählter: als hätte nicht Einer

sich zu ihnen entschlossen, sondern das ganze

Volk sie zu fühlen bestimmt. Mit langsam ermessendem Blick

umfangen die Knaben den Jüngling, der schon hineinreicht

in die gewagtere Zukunft: ihn,der noch eben

hundert Stimmen vernahm, unwissend, welche im Recht sei,

wie erleichtert ihn jetzt der einige Ruf; denn was

wäre nicht Willkür neben der frohen, neben der sicheren Not?

Endlich ein Gott. Da wir den friedlichen oft

nicht mehr ergriffen, ergreift uns plötzlich der Schlacht-Gott,

schleudert den Brand: und über dem Herzen voll Heimat

schreit, den er donnernd bewohnt, sein rötlicher Himmel.


 © textlog.de 2004 • 21.10.2017 14:16:46 •
Seite zuletzt aktualisiert: 05.08.2005 
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