Heil mir, daß ich Ergriffene sehe


II

 

Heil mir, daß ich Ergriffene sehe. Schon lange

war uns das Schauspiel nicht wahr,

und das erfundene Bild sprach nicht entscheidend uns an.

Geliebte, nun redet wie ein Seher die Zeit

blind, aus dem ältesten Geist.

Hört. Noch hörtet ihrs nie. Jetzt seid ihr die Bäume,

die die gewaltige Luft lauter und lauter durchrauscht;

über die ebenen Jahre stürmt sie herüber

aus der Väter Gefühl, aus höheren Taten, vom hohen

Heldengebirg, das nächstens im Neuschnee

eures freudigen Ruhms reiner, näher erglänzt. 

Wie verwandelt sich nun die lebendige Landschaft: es wandert

würziger Jungwald dahin und ältere Stämme,

und das kürzliche Reis biegt sich den Ziehenden nach.

Einmal schon, da ihr gebart, empfandet ihr Trennung, Mütter, —

empfindet auch wieder das Glück, daß ihr die Gebenden seid.

Gebt wie Unendliche, gebt. Seid diesen treibenden Tagen

eine reiche Natur. Segnet die Söhne hinaus.

Und ihr Mädchen, gedenkt, daß sie euch lieben: in solchen

Herzen seid ihr gefühlt, so furchtbarer Andrang

ging, zur Milde verstellt, mit euch, Blumigen, um.

Vorsicht hielt euch zurück, nun dürft ihr unendlicher lieben,

sagenhaft Liebende sein wie die Mädchen der Vorzeit:

daß die Hoffende steht wie im hoffenden Garten,

daß die Weinende weint wie im Sternbild, das hoch

nach einer Weinenden heißt  —  —  —  —  —  —  —  —  —  —

—  —  —  —  —  —  —  —  —  —  —  —  —  —  —  —  —  —  —


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Seite zuletzt aktualisiert: 04.08.2005 
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