Seit drei Tagen, was ists?


III

 

Seit drei Tagen, was ists? Sing ich wirklich das Schrecknis,

wirklich den Gott, den ich als einen der frühern

nur noch erinnernden Götter ferne bewundernd geglaubt?

Wie ein vulkanischer Berg lag er im Weiten. Manchmal

flammend. Manchmal im Rauch. Traurig und göttlich.

Nur eine nahe vielleicht, ihm anliegende Ortschaft

bebte. Wir aber hoben die heile

Leier anderen zu: welchen kommenden Göttern?

Und nun aufstand er: steht: höher

als stehende Türme, höher

als die geatmete Luft unseres sonstigen Tags.

Steht. Übersteht. Und wir? Glühen in Eines zusammen,

in ein neues Geschöpf, das er tödlich belebt.

So auch bin ich nicht mehr; aus dem gemeinsamen Herzen

schlägt das meine den Schlag, und der gemeinsame Mund

bricht den meinigen auf.

Dennoch es heult bei Nacht wie die Sirenen der Schiffe

in mir das Fragende, heult nach dem Weg, dem Weg.

Sieht ihn oben der Gott, hoch von der Schulter? Lodert

er als Leuchtturm hinaus einer ringenden Zukunft,

die uns lange gesucht? Ist er ein Wissender? Kann

er ein Wissender sein, dieser reißende Gott?

Da er doch alles Gewußte zerstört. Das lange, das liebreich,

unser vertraulich Gewußtes. Nun liegen die Häuser

nur noch wie Trümmer umher seines Tempels.

Im Aufstehn stieß er ihn höhnisch von sich und steht in die Himmel.

Eben noch Himmel des Sommers. Sommerhimmel. Des Sommers

innige Himmel über den Bäumen und uns.

Jetzt: wer fühlt, wer erkennt ihre unendliche

Hütung über den Wiesen? Wer

starrte nicht fremdlings hinein?

Andere sind wir, ins Gleiche Geänderte: jedem

sprang in die plötzlich

nicht mehr seinige Brust meteorisch ein Herz.

Heiß, ein eisernes Herz aus eisernem Weltall.


 © textlog.de 2004 • 19.11.2017 02:12:02 •
Seite zuletzt aktualisiert: 04.08.2005 
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