Gegen-Strophen


OH daß ihr hier, Frauen, einhergeht,

hier unter uns, leidvoll,

nicht geschonter als wir und dennoch imstande,

selig zu machen wie Selige.

 

Woher,

wenn der Geliebte erscheint,

nehmt ihr die Zukunft?

Mehr, als je sein wird.

Wer die Entfernungen weiß

bis zum äußersten Fixstern,

staunt, wenn er diesen gewahrt,

euern herrlichen Herzraum.

Wie, im Gedräng, spart ihr ihn aus?

Ihr, voll Quellen und Nacht.

 

Seid ihr wirklich die gleichen,

die, da ihr Kind wart,

unwirsch im Schulgang

anstieß der ältere Bruder?

Ihr Heilen.

 

Wo wir als Kinder uns schon

häßlich für immer verzerrn,

wart ihr wie Brot vor der Wandlung.

 

Abbruch der Kindheit

war euch nicht Schaden. Auf einmal

standet ihr da, wie im Gott

plötzlich zum Wunder ergänzt.

 

Wir, wie gebrochen vom Berg,

oft schon als Knaben scharf

an den Rändern, vielleicht

manchmal glücklich behaun;

wir, wie Stücke Gesteins

über Blumen gestürzt.

 

Blumen des tieferen Erdreichs,

von allen Wurzeln geliebte,

ihr, der Eurydike Schwestern,

immer voll heiliger Umkehr

hinter dem steigenden Mann.

 

Wir, von uns selber gekränkt,

Kränkende gern und gern

Wiedergekränkte aus Not.

Wir wie Waffen, dem Zorn

neben den Schlaf gelegt.

 

Ihr, die ihr beinah Schutz seid, wo niemand

schützt. Wie ein schattiger Schlafbaum

ist der Gedanke an euch

für die Schwärme des Einsamen.


 © textlog.de 2004 • 17.10.2017 10:01:55 •
Seite zuletzt aktualisiert: 05.08.2005 
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