Wendung


Lange errang ers im Anschaun.

Sterne brachen ins Knie

unter dem ringenden Aufblick.

Oder er anschaute knieend, u

nd seines Instands Duft

machte ein Göttliches müd,

daß es ihm lächelte, schlafend.

 

Türme schaute er so,

daß sie erschraken:

wieder sie bauend hinan, plötzlich, in Einem.

Aber wie oft die vom Tag

überladene Landschaft

ruhete hin in sein stilles Gewahren, abends.

 

Tiere traten getrost

in den offenen Blick, weidende,

und die gefangenen Löwen

starrten hinein wie in unbegreifliche Freiheit;

Vögel durchflogen ihn grad,

den gemütigen. Blumen

widerschauten in ihn

groß wie in Kinder.

 

Und das Gerücht, daß ein Schauender sei,

rührte die minder

fraglicher Sichtbaren,

rührte die. Frauen.

 

Schauend wie lang?

Seit wie lange schon innig entbehrend,

flehend im Grunde des Blicks?

 

Wenn er, ein Wartender, saß in der Fremde; des Gasthofs

zerstreutes abgewendetes Zimmer

mürrisch um sich, und im vermiedenen Spiegel

wieder das Zimmer

und später vom quälenden Bett aus

wieder:

da beriets in der Luft,

unfaßbar beriet es

über sein fühlbares Herz,

über sein durch den schmerzhaft verschütteten Körper

dennoch fühlbares Herz

beriet es und richtete:

daß er der Liebe nicht habe.

(Und verwehrte ihm weitere Weihen.)

 

Denn des Anschauns, siehe, ist eine Grenze,

und die geschautere Welt

will in der Liebe gedeihn.

Werk des Gesichts ist getan,

tue nun Herzwerk

an den Bildern in dir, jenen gefangenen. Denn du

überwältigtest sie; aber nun kennst du sie nicht.

Siehe, innerer Mann, dein inneres Mädchen,

dieses errungene aus

tausend Naturen, dieses

erst nur errungene, nie

noch geliebte Geschöpf.


 © textlog.de 2004 • 16.12.2017 23:17:09 •
Seite zuletzt aktualisiert: 05.08.2005 
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