Die spanische Trilogie


Aus dieser Wolke, siehe: die den Stern

so wild verdeckt, der eben war — (und mir),

aus diesem Bergland drüben, das jetzt Nacht,

Nachtwinde hat für eine Zeit — (und mir),

aus diesem Fluß im Talgrund, der den Schein

zerrißner Himmels-Lichtung fängt — (und mir);

aus mir und alledem ein einzig Ding

zu machen, Herr: aus mir und dem Gefühl,

mit dem die Herde, eingekehrt im Pferch,

das große dunkle Nichtmehrsein der Welt

ausatmend hinnimmt —, mir und jedem Licht

im Finstersein der vielen Häuser, Herr:

ein Ding zu machen; aus den Fremden, denn

nicht Einen kenn ich, Herr, und mir und mir

ein Ding zu machen; aus den Schlafenden,

den fremden alten Männern im Hospiz,

die wichtig in den Betten husten, aus

schlaftrunknen Kindern an so fremder Brust,

aus vielen Ungenaun und immer mir,

aus nichts als mir und dem, was ich nicht kenn,

das Ding zu machen, Herr Herr Herr, das Ding,

das welthaft-irdisch wie ein Meteor

in seiner Schwere nur die Summe Flugs

zusammennimmt: nichts wiegend als die Ankunft.

 

*

 

Warum muß einer gehn und fremde Dinge

so auf sich nehmen, wie vielleicht der Träger

den fremdlings mehr und mehr gefüllten Marktkorb

von Stand zu Stand hebt und beladen nachgeht

und kann nicht sagen: Herr,wozu das Gastmahl?

Warum muß einer dastehn wie ein Hirt,

so ausgesetzt dem Übermaß von Einfluß,

beteiligt so an diesem Raum voll Vorgang,

daß er gelehnt an einen Baum der Landschaft

sein Schicksal hätte, ohne mehr zu handeln.

Und hat doch nicht im viel zu großen Blick

die stille Milderung der Herde. Hat

nichts als Welt, hat Welt in jedem Aufschaun,

in jeder Neigung Welt. Ihm dringt, was ändern

gerne gehört, unwirtlich wie Musik

und blind ins Blut und wandelt sich vorüber.

 

Da steht er nächtens auf und hat den Ruf

des Vogels draußen schon in seinem Dasein

und fühlt sich kühn, weil er die ganzen Sterne

in sein Gesicht nimmt, schwer —, o nicht wie einer,

der der Geliebten diese Nacht bereitet

und sie verwöhnt mit den gefühlten Himmeln.

 

*

 

Daß mir doch, wenn ich wieder der Städte Gedräng

und verwickelten Lärmknäul und die

Wirrsal des Fahrzeugs um mich habe, einzeln,

daß mir doch über das dichte Getrieb

Himmel erinnerte und der erdige Bergrand,

den von drüben heimwärts die Herde betrat.

Steinig sei mir zumut,

und das Tagwerk des Hirten scheine mir möglich,

wie er einhergeht und bräunt und mit messendem Steinwurf

seine Herde besäumt, wo sie sich ausfranst.

Langsamen Schrittes, nicht leicht, nachdenklichen Körpers,

aber im Stehn ist er herrlich. Noch immer dürfte ein Gott

heimlich in diese Gestalt und würde nicht minder.

Abwechselnd weilt er und zieht, wie selber der Tag,

und Schatten der Wolken

durchgehn ihn, als dächte der Raum

langsam Gedanken für ihn.

 

Sei er wer immer für euch. Wie das wehende Nachtlicht

in den Mantel der Lampestell ich mich innen in ihn.

Ein Schein wird ruhig. Der Tod

fände sich reiner zurecht.


 © textlog.de 2004 • 21.10.2017 14:04:55 •
Seite zuletzt aktualisiert: 05.08.2005 
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