Das Füllhorn


Geschrieben für Hugo von Hofmannsthal

 

Schwung und Form des gebendsten Gefäßes,

an der Göttin Schulter angelehnt;

unsrer Fassung immer ungemäßes,

doch von unsrem Sehnen ausgedehnt —:

 

in der Tiefe seiner Windung faßt es

aller Reife die Gestalt und Wucht,

und das Herz des allerreinsten Gastes

wäre Form dem Ausguß solcher Frucht.

 

Obenauf der Blüten leichte Schenkung,

noch von ihrer ersten Frühe kühl,

alle kaum beweisbar, wie Erdenkung,

und vorhanden, wie Gefühl ...

 

Soll die Göttin ihren Vorrat schütten

auf die Herzen, die er überfüllt,

auf die vielen Häuser, auf die Hütten,

auf die Wege, wo das Wandern gült?

 

Nein, sie steht in Überlebensgröße

hoch, mit ihrem Hörn voll Übermaß.

Nur das Wasser unten geht, als flöße

es ihr Geben in Gewächs und Gras.



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Seite zuletzt aktualisiert: 05.08.2005