Der Geist Ariel


(Nach der Lesung von Shakespears Sturm)

 

Man hat ihn einmal irgendwo befreit

mit jenem Ruck, mit dem man sich als Jüngling

ans Große hinriß, weg von jeder Rücksicht.

Da ward er willens,sieh: und seither dient er,

nach jeder Tat gefaßt auf seine Freiheit.

Und halb sehr herrisch, halb beinah verschämt,

bringt mans ihm vor, daß man für dies und dies

ihn weiter brauche, ach, und muß es sagen,

was man ihm half. Und dennoch fühlt man selbst,

wie alles das, was man mit ihm zurückhält,

fehlt in der Luft. Verführend fast und süß:

ihn hinzulassen, um dann, nicht mehr zaubernd,

ins Schicksal eingelassen wie die ändern,

zu wissen, daß sich seine leichte Freundschaft,

jetzt ohne Spannung, nirgends mehr verpflichtet,

ein Überschuß zu dieses Atmens Raum,

gedankenlos im Element beschäftigt.

Abhängig fürder, länger nicht begabt,

den dumpfen Mund zu jenem Ruf zu formen,

auf den er stürzte. Machtlos, alternd, arm

und doch ihn atmend wie unfaßlich weit

verteilten Duft, der erst das Unsichtbare

vollzählig macht. Auf lächelnd, daß man dem

so winken durfte, in so großen Umgang

so leicht gewöhnt. Aufweinend vielleicht auch,

wenn man bedenkt, wie's einen liebte und

fort wollte, beides, immer ganz in Einem.

 

(Ließ ich es schon ? Nun schreckt mich dieser Mann,

der wieder Herzog wird. Wie er sich sanft

den Draht ins Haupt zieht und sich zu den andern

Figuren hängt und künftighin das Spiel

um Milde bittet ... Welcher Epilog

vollbrachter Herrschaft. Abtun, bloßes Dastehn

mit nichts, als eigner Kraft: "und das ist wenig.")


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Seite zuletzt aktualisiert: 04.08.2005 
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