Bildnis


Daß von dem verzichtenden Gesichte

keiner ihrer großen Schmerzen fiele,

trägt sie langsam durch die Trauerspiele

ihrer Züge schönen welken Strauß,

wild gebunden und schon beinah lose;

manchmal fällt, wie eine Tuberose,

ein verlornes Lächeln müd heraus.

 

Und sie geht gelassen drüberhin,

müde, mit den schönen blinden Händen,

welche wissen, daß sie es nicht fänden,

 

und sie sagt Erdichtetes, darin

Schicksal schwankt, gewolltes, irgendeines,

und sie giebt ihm ihrer Seele Sinn,

daß es ausbricht wie ein Ungemeines:

wie das Schreien eines Steines -

 

und sie läßt, mit hochgehobnem Kinn

alle diese Worte wieder fallen,

ohne bleibend; denn nicht eins von allen

ist der wehen Wirklichkeit gemäß,

ihrem einzigen Eigentum,

das sie, wie ein fußloses Gefäß

halten muß, hoch über ihren Ruhm

und den Gang der Abende hinaus.


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Seite zuletzt aktualisiert: 03.08.2005 
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