Jeremia


Einmal war ich weich wie früher Weizen,

doch, du Rasender, du hast vermocht,

mir das hingehaltne Herz zu reizen,

daß es jetzt wie eines Löwen kocht.

 

Welchen Mund hast du mir zugemutet,

damals, da ich fast ein Knabe war:

eine Wunde wurde er: nun blutet

aus ihm Unglücksjahr um Unglücksjahr.

 

Täglich tönte ich von neuen Nöten,

die du, Unersättlicher, ersannst,

und sie konnten mir den Mund nicht töten;

sieh du zu, wie du ihn stillen kannst,

 

wenn, die wir zerstoßen und zerstören,

erst verloren sind und fernverlaufen

und vergangen sind in der Gefahr:

denn dann will ich in den Trümmerhaufen

endlich meine Stimme wiederhören,

die von Anfang an ein Heulen war.


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Seite zuletzt aktualisiert: 03.08.2005 
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