Gebrochenes Licht


311.

Gebrochenes Licht. — Man ist nicht immer tapfer, und wenn man müde wird, dann jammert unser Einer auch wohl einmal in dieser Weise. "Es ist so schwer, den Menschen wehe zu tun — oh, dass es nötig ist! Was nützt es uns, verborgen zu leben, wenn wir nicht Das für uns behalten wollen, was Ärgernis gibt? Wäre es nicht rätlicher, im Gewühle zu leben und an den Einzelnen gutzumachen, was an Allen gesündigt werden soll und muss? Thöricht mit dem Toren, eitel mit dem Eitelen, schwärmerisch mit dem Schwärmer zu sein? Wäre es nicht billig, bei einem solchen übermütigen Grade der Abweichung im Ganzen? Wenn ich von den Bosheiten Anderer gegen mich höre, — ist nicht mein erstes Gefühl das einer Genugtuung? So ist es recht! — scheine ich mir zu ihnen zu sagen — ich stimme so wenig zu euch und habe so viel Wahrheit auf meiner Seite: macht euch immerhin einen guten Tag auf meine Kosten, so oft ihr könnt! Hier sind meine Mängel und Fehlgriffe, hier ist mein Wahn, mein Ungeschmack, meine Verwirrung, meine Tränen, meine Eitelkeit, meine Eulen-Verborgenheit, meine Widersprüche! Hier habt ihr zu lachen! So lacht denn auch und freut euch! Ich bin nicht böse auf Gesetz und Natur der Dinge, welche wollen, dass Mängel und Fehlgriffe Freude machen! — Freilich, es gab einmal "schönere" Zeiten, wo man sich noch mit jedem einigermaßen neuen Gedanken so unentbehrlich fühlen konnte, um mit ihm auf die Straße zu treten und Jedermann zuzurufen: "Siehe! Das Himmelreich ist nahe herbeigekommen!" — Ich würde mich nicht vermissen, wenn ich fehlte. Entbehrlich sind wir Alle!" — Aber, wie gesagt, so denken wir nicht, wenn wir tapfer sind; wir denken nicht daran.


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