Voltaire


101.

Voltaire. — Überall, wo es einen Hof gab, hat er das Gesetz des Gut-Sprechens und damit auch das Gesetz des Stils für alle Schreibenden gegeben. Die höfische Sprache ist aber die Sprache des Höflings, der kein Fach hat und der sich selbst in Gesprächen über wissenschaftliche Dinge alle bequemen technischen Ausdrücke verbietet, weil sie nach dem Fache schmecken, deshalb ist der technische Ausdruck und Alles, was den Spezialisten verrät, in den Ländern einer höfischen Kultur ein Flecken des Stils. Man ist jetzt, wo alle Höfe Karikaturen von sonst und jetzt geworden sind, erstaunt, selbst Voltaire in diesem Punkte unsäglich spröde und peinlich zu finden (zum Beispiel in seinem Urteil über solche Stilisten, wie Fontenelle und Montesquieu), — wir sind eben alle vom höfischen Geschmack emanzipiert, während Voltaire dessen Vollender war!


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