Eine andere Nächstenliebe


471.

Eine andere Nächstenliebe. — Das aufgeregte, lärmende, ungleiche, nervöse Wesen macht den Gegensatz zur großen Leidenschaft: diese, wie eine stille düstere Glut im Innern wohnend und dort alles Heiße und Hitzige sammelnd, lässt den Menschen nach Außen hin kalt und gleichgültig blicken und drückt den Zügen eine gewisse Impassibilität auf. Solche Menschen sind gelegentlich wohl der Nächstenliebe fähig, — aber sie ist anderer Art, als die der Geselligen und Gefallsüchtigen: es ist eine milde, betrachtsame, gelassene Freundlichkeit; sie blicken gleichsam aus den Fenstern ihrer Burg hinaus, die ihre Festung und eben dadurch ihr Gefängnis ist: — der Blick in’s Fremde, Freie, in das Andere tut ihnen so wohl!


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