Eine Art Verkennung


292.

Eine Art Verkennung. — Wenn wir Jemanden sprechen hören, so genügt oft der Klang eines einzigen Konsonanten (zum Beispiel eines r), um uns einen Zweifel über die Ehrlichkeit seiner Empfindung einzuflössen: wir sind diesen Klang nicht gewöhnt und würden ihn machen müssen, mit Willkür, — er klingt uns "gemacht". Hier ist ein Gebiet der gröbsten Verkennung: und das Selbe gilt vom Stile eines Schriftstellers, der Gewohnheiten hat, welche nicht aller Welt Gewohnheiten sind. Seine "Natürlichkeit" wird nur von ihm als solche empfunden, und gerade mit dem, was er selber als "gemacht" fühlt, weil er damit einmal der Mode und dem sogenannten "guten Geschmacke" nachgegeben hat, gefällt er vielleicht und erregt Zutrauen.



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