Psalm


Stille; als sänken Blinde an herbstlicher Mauer hin,

Lauschend mit morschen Schläfen dem Flug der Rahen;

Goldne Stille des Herbstes, das Antlitz des Vaters in flackernder Sonne

Am Abend verfällt im Frieden brauner Eichen das alte Dorf,

Das rote Gehämmer der Schmiede, ein pochendes Herz.

Stille; in langsamen Händen verbirgt die hyazinthene Stirne die Magd

Unter flatternden Sonnenblumen. Angst und Schweigen

Brechender Augen erfüllt das dämmernde Zimmer, die zögernden Schritte

Der alten Frauen, die Flucht des purpurnen Munds, der langsam im Dunkel erlischt.

 

Schweigsamer Abend in Wein. Vom niedern Deckengebälk

Fiel ein nächtlicher Falter, Nymphe vergraben in bläulichen Schlaf.

Im Hot schlachtet der Knecht ein Lamm, der süße Geruch des Blutes

Umwölkt unsre Stirnen, die dunkle Kühle des Brunnens.

Nachtrauert die Schwermut sterbender Astern, goldne Stimmen im Wind.

Wenn es Nacht wird siehest du mich aus vermoderten Augen an,

In blauer Stille verfielen deine Wangen zu Staub.

 

So leise erlöscht ein Unkrautbrand, verstummt der schwarze Weiler im Grund

Als stiege das Kreuz den blauen Kalvarienhügel herab,

Würfe die schweigende Erde ihre Toten aus.


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Seite zuletzt aktualisiert: 11.07.2005 
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