An Johanna


Oft hör' ich deine Schritte

Durch die Gasse läuten.

Im braunen Gärtchen

Die Bläue deines Schattens.

 

In der dämmernden Laube

Saß ich schweigend beim Wein.

Ein Tropfen Blutes

Sank von deiner Schläfe

 

In das singende Glas

Stunde unendlicher Schwermut.

Es weht von Gestirnen

Ein schneeiger Wind durch das Laub

 

Jeglichen Tod erleidet,

Die Nacht der bleiche Mensch.

Dein purpurner Mund

Wohnt eine Wunde in mir.

 

Als kam' ich von den grünen

Tannenhügeln und Sagen

Unserer Heimat,

Die wir lange vergaßen -

 

Wer sind wir? Blaue Klage

Eines moosigen Waldquells,

Wo die Veilchen

Heimlich im Frühling duften.

 

Ein friedliches Dorf im Sommer

Beschirmte die Kindheit einst

Unsres Geschlechts,

Hinsterbend nun am Abend-

 

Hügel die weißen Enkel

Träumen wir die Schrecken

Unseres nächtigen Blutes

Schatten in steinerner Stadt.


 © textlog.de 2004 • 15.12.2017 13:15:55 •
Seite zuletzt aktualisiert: 11.07.2005 
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