Wind, weiße Stimme


1. Fassung

 

Wind, weiße Stimme, die an des Schläfers Schläfe flüstert

In morschem Geäst hockt das Dunkle in seinem purpurnen Haar

Lange Abendglocke, versunken im Schlamm des Teichs

Und darüber neigen sich die gelben Blumen des Sommers.

Konzert von Hummeln und blauen Fliegen in Wildgras und Einsamkeit,

Wo mit rührenden Schritten ehdem Ophelia ging

Sanftes Gehaben des Wahnsinns. Ängstlich wogt das Grün im Rohr

Und die gelben Blätter der Wasserrosen, zerfällt ein Aas in heißen Nesseln

Erwachend umflattern den Schläfer kindliche Sonnenblumen.

 

Septemberabend, oder die dunklen Rufe der Hirten,

Geruch von Thymian. Glühendes Eisen sprüht in der Schmiede

Gewaltig bäumt sich ein schwarzes Pferd; die hyazinthene Locke der Magd

Hasch<t> nach der Inbrunst seiner purpurnen Nüstern.

Zu gelber Mauer erstarrt der Schrei des Rebhuhns verrostet in faulender Jauche ein Pflug

Leise rinnt roter Wein, die sanfte Guitarre im Wirtshaus.

O Tod! Der kranken Seele verfallener Bogen Schweigen und Kindheit.

 

Aufflattern mit irren Gesichtern die Fledermäuse


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Seite zuletzt aktualisiert: 11.07.2005 
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