Unterwegs


1. Fassung

 

Ein Duft von Myrrhen, der im Zwielicht irrt.

Im Qualm versinken Plätze rot und wüst.

Bazare kreisen und ein Goldstrahl fließt

In alte Läden seltsam und verwirrt.

 

Im Spülicht glüht Verfallnes; und der Wind

Ruft dumpf die Qual verbrannter Gärten wach.

Beseßne jagen goldnen Träumen nach.

An Fenstern ruhn Dryaden schlank und lind.

 

Traumsüchtige wandeln, die ein Wunsch verzehrt.

Arbeiter strömen schimmernd durch ein Tor.

Stahltürme glühn am Himmelsrand empor.

O Märchen in Fabriken grau versperrt!

 

Im Finstern trippelt puppenhaft ein Greis

Und lüstern lacht ein Klimperklang von Geld.

Ein Heiligenschein auf jene Kleine fällt,

Die vorm Kaffeehaus wartet, sanft und weiß.

 

O goldner Glanz, den sie in Scheiben weckt!

Durchsonnter Lärm dröhnt ferne und verzückt.

Ein krummer Schreiber lächelt wie verrückt

Zum Horizont, den grün ein Aufruhr schreckt.

 

Auf Brücken von Kristall Karrossen ziehn,

Obstkarren, Leichenwagen schwarz und fahl,

Von hellen Dampfern wimmelt der Kanal,

Konzerte klingen. Grüne Kuppeln sprühn.

 

Volksbäder flimmern in Magie von Licht,

Verwunschne Straßen, die man niederreißt.

Ein Herd von Seuchen wirr im Äther kreist,

Ein Schein von Wäldern durch Rubinstaub bricht.

 

Verzaubert glänzt im Grau ein Opernhaus.

Aus Gassen fluten Masken ungeahnt,

Und irgendwo loht wütend noch ein Brand.

Ein kleiner Falter tanzt im Windgebraus.

 

Quartiere dräun voll Elend und Gestank.

Violenfarben und Akkorde ziehn

Vor Hungrigen an Kellerlöchern hin.

Ein süßes Kind sitzt tot auf einer Bank.


 © textlog.de 2004 • 18.12.2017 08:15:45 •
Seite zuletzt aktualisiert: 11.07.2005 
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