Unterwegs


2. Fassung

 

Ein Duft von Myrrhen, der durchs Zwielicht irrt,

Ein Fastnachtsspiel, auf Plätzen schwarz und wüst.

Gewölk durchbricht ein goldner Strahl und fließt

In kleine Läden traumhaft und verwirrt.

 

Im Spülicht glüht Verfallnes und der Wind

Ruft dumpf die Qual verbrannter Gärten wach.

Beseßne jagen dunklen Dingen nach;

An Fenstern ruhn Dryaden schlank und lind.

 

Ein Knabenlächeln, das ein Wunsch verzehrt.

Verschlossen starrt ein altes Kirchentor.

Sonaten lauscht ein wohlgeneigtes Ohr;

Ein Reiter trabt vorbei auf weißem Pferd.

 

Im Finstern trippelt puppenhaft ein Greis

Und lüstern lacht ein Klimperklang von Geld.

Ein Heiligenschein auf jene Kleine fällt,

Die vorm Kaffeehaus wartet, sanft und weiß.

 

O goldner Glanz, den sie in Scheiben weckt!

Der Sonne Lärm dröhnt ferne und verzückt.

Ein krummer Schreiber lächelt wie verrückt

Zum Horizont, den grün ein Aufruhr schreckt.

 

Karrossen abends durch Gewitter ziehn.

Durchs Dunkel stürzt ein Leichnam, leer und fahl.

Ein heller Dampfer landet am Kanal,

Ein Mohrenmädchen ruft im wilden Grün.

 

Schlafwandler treten vor ein Kerzenlicht,

In eine Spinne fährt des Bösen Geist.

Ein Herd von Seuchen Trinkende umkreist;

Ein Eichenwald in kahle Stuben bricht.

 

Im Plan erscheint ein altes Opernhaus,

Aus Gassen fluten Masken ungeahnt

Und irgendwo loht wütend noch ein Brand.

Die Fledermäuse Schrein im Windgebraus.

 

Quartiere dräun voll Elend und Gestank.

Violenfarben und Akkorde ziehn

Vor Hungrigen an Kellerlöchern hin.

Ein süßes Kind sitzt tot auf einer Bank.


 © textlog.de 2004 • 19.10.2017 04:03:51 •
Seite zuletzt aktualisiert: 11.07.2005 
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