Auf den Tod einer alten Frau


Oft lausche ich voll Grauen an der Tür

Und tret' ich ein, deucht mich, daß jemand floh,

Und ihre Augen sehn vorbei an mir

Verträumt, als sähen sie mich anderswo.

 

So sitzt sie ganz in sich gebeugt und lauscht

Und scheint den Dingen fern, die um sie sind,

Doch bebt sie, wenn Geräusch ans Fenster rauscht,

Und weint dann still, gleichwie ein banges Kind.

 

Und kost mit müder Hand ihr weißes Haar

Und fragt mit fahlem Blick: Muß ich schon gehn?

Und fiebert irr: Das Lichtlein am Altar

Erlosch! Wo gehst du hin? Was ist geschehn?


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Seite zuletzt aktualisiert: 09.07.2005 
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