Farbiger Herbst


MUSIK IM MIRABELL  1. Fassung, Sammlung 1909

 

Der Brunnen singt, die Wolken stehn

Im klaren Blau, die weißen, zarten;

Bedächtig, stille Menschen gehn

Da drunten im abendblauen Garten.

 

Der Ahnen Marmor ist ergraut

Ein Vogelflug streift in die Weiten

Ein Faun mit toten Augen schaut

Nach Schatten, die ins Dunkel gleiten.

 

Das Laub fällt rot vom alten Baum

Und kreist herein durchs offne Fenster,

In dunklen Feuern glüht der Raum,

Darin die Schatten, wie Gespenster.

 

Opaliger Dunst webt über das Gras,

Eine Wolke von welken, gebleichten Düften,

Im Brunnen leuchtet wie grünes Glas

Die Mondessichel in frierenden Lüften.



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