Der freie Wille


Und von hier aus fällt ein helles Licht auf den alten Sprachgötzen, der der freie Wille heißt. Es gibt einen Schein des freien Willens, wie es einen Schein der freien Aufmerksamkeit gibt. Wir haben diesen Schein, weil wir Menschen sind, weil wir Menschenverstand oder Menschensprache besitzen, weil dieselbe eiserne Entwicklung, welche heute jedes Aufmerken und jedes Wollen des ererbten und erworbenen Gedächtnisses unentrinnbar zwingt, also unfrei macht, daneben auch das ererbte und erworbene Gedächtnis in der Sprache aufgespeichert und in ihr den alten hölzernen Götzen "freier Wille" verwahrt hat. Irgendwo in seinem Innenleben mag auch der fallende Stein glauben, daß er freiwillig fällt, daß er freiwillig seine gespannte Aufmerksamkeit auf den Mittelpunkt der Erde richtet.


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