Wellenschwingungen


Um eine Vorstellung davon zu geben, wie sich unsere Sinne als Zufallssinne entwickelt haben mögen, mußte ich von der gegenwärtig geltenden Hypothese ausgehen, daß in der wirklichen Wirklichkeitswelt nicht Farben und nicht Töne und auch nicht Körper vorhanden sind, sondern überall nur Wellenschwingungen von Substanzen, welche man dadurch von der Körperwelt loszulösen glaubt, daß man ihnen den Ehrennamen Körper versagt; man führt alles auf Molekelschwingungen, Atomschwingungen und Ätherschwingungen zurück. Die Tänze der Moleküle nennt man dann Körper, die Tänze der Atome in den Molekülen nennt man Stoffe, die Tänze des Äthers zwischen den Molekeltänzen oder den Atomtänzen nennt man Kräfte und Kräfteerscheinungen. Oder man begreift alle diese Tänze unter dem neuen Namen der Energieformen zusammen; der Unterschied ist nicht erheblich. Bei diesem Ausgangspunkte mußte ich vorübergehend den letzten Gedanken beiseite lassen, daß nämlich auch die zuverlässigsten Mitteilungen unserer Sinne nur Täuschungen sind. Täuschungen über die Wirklichkeitswelt, normale Täuschungen natürlich, dennoch aber — weil von den Zufallssinnen geschaffen — zufällige Täuschungen. Ich will den Gedanken auch nicht wieder aufnehmen, weil er als ein letztes Wort auch das letzte Wort sein müßte, das Ende vor dem Ende.

Aber auf die Gefahr hin, den Wert des eben vollzogenen Gedankenganges zu vernichten, muß ich doch auf einige Erscheinungen hinweisen, die das neue Weltbild von den Wellenschwingungen wieder stören oder zerstören. Oder es als das kennzeichnen, was es ist, als ein Bild, als eine Metapher. Schon Tyndall hat (Fragmente I, 85 und II, 123 ff.) stark ausgesprochen, daß solche Fragen mit einem Male aus dem Bereich der Sinne in das der Phantasie führen.


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