Seele und Sinne


Zerfällen wir das Innenleben in ein vorstellendes Wesen und Sinne in ein vorgestelltes, wo dann das vorstellende die Seelensubstanz wäre und das vorgestellte die seelischen Äußerungen, so ist das ein logisches Wortgefecht. Denn entweder ist das Vorgestellte und das Vorstellende ein und dasselbe oder nicht. Ist es ein und dasselbe, so ist die Zerfällung in zwei Begriffe undurchführbar; ist es aber nicht dasselbe, so haben wir gar zweierlei Seelen anzunehmen, eine vorstellende, die doch nur eine sprachliche Zusammenfassung der seelischen Äußerungen ist, und eine vorgestellte, die weder in der Sprache, noch in der Vorstellung, noch sonst irgendwo ist. Diese Konstruktion müßte zur Aufstellung noch einer dritten Seele führen. Es kann nicht ein Ding zugleich Subjekt und Objekt sein; läßt es sich aber in Subjekt und Objekt zerfällen, so muß ihm ein drittes zu Grunde liegen. Zeigt ein Körper ie nach der polaren Anordnung seiner Elemente zwei verschiedene Eigenschaften, so muß vor der polaren Trennung irgend ein dritter Zustand möglich sein — würde ein Logiker sagen. Die Wirklichkeit kennt diesen dritten Zustand nicht. Wenn zwei Spiegel einander parallel gegenüberstehen, zwischen ihnen aber kein menschliches Auge, so haben sie einander nichts zu reflektieren.  


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