Augustinus


Der Erste, der eine wirklich immaterielle Seele lehrte, war der logische Begründer des Christentums, der heilige Augustinus. Ihm ist es in dieser Beziehung darum zu tun, die Unsterblichkeit der Seele aus ihrer reinen Geistigkeit zu beweisen. Mit seinem außerordentlichen Scharfsinn, mit seiner leidenschaftlichen Sehnsucht nach einem jenseitigen unkörperlichen Gottesstaat wittert er, daß sich seine Phantasie von Gott auf die Länge mit dem doppelten Materialismus der alten Welt nicht verbinden ließe. War Gott ein reiner Geist, so mußte es auch die Seele sein. Seine Beweise für die Unsterblichkeit der Seele erscheinen uns kindisch; aber wir finden in ihnen mit Vergnügen eines der krassesten Beispiele menschlichen Wortaberglaubens. Er scheint sich gegen Tertullianus zu wenden, wenn er die Ansicht bekämpft, die Seele wäre gar nicht, wenn sie nicht die körperlichen Ausdehnungen der Länge, Breite und Dicke hätte. Aber — ruft er triumphierend aus — die Gerechtigkeit habe auch keine Ausdehnung, sei auch kein Körper und dennoch ein reales Ding, besitze sogar eine höhere Realität als irgend ein anderes Ding.


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