Elysium


An Uranien.

 

    Uns gaben die Götter

    Auf Erden Elysium!

Wie du das Erstemal

Liebahnend dem Fremdling

Entgegentratst

Und deine Hand ihm reichtest,

Fühlt' er alles voraus,

Was ihm für Seligkeit

Entgegen keimte!

 

    Uns gaben die Götter

    Auf Erden Elysium!

Wie du den liebenden Arm

Um den Freund schlangst,

Wie ihm Lila's Brust

Entgegenbebte,

Wie ihr, euch rings umfassend,

In heil'ger Wonne schwebtet,

Und ich, im Anschaun selig,

Ohne sterblichen Neid

Daneben stand!

 

    Uns gaben die Götter

    Auf Erden Elysium!

Wie durch heilige Thäler wir

Händ' in Hände wandelten,

Und des Fremdlings Treu

Sich euch versiegelte,

Daß du dem Liebenden,

Stille Sehnenden,

Die Wange reichtest

Zum himmlischen Kuß!

 

    Uns gaben die Götter

    Auf Erden Elysium!

Wenn du fern wandelst

Am Hügelgebüsch,

Wandeln Liebesgestalten

Mit dir den Bach hinab;

Wenn mir auf meinem Felsen

Die Sonne niedergeht,

Seh' ich Freundegestalten

Mir winken

Durch wehende Zweige

Des dämmernden Hains;

 

    Uns gaben die Götter

    Auf Erden Elysium!

Seh' ich, verschlagen

Unter schauernden Himmels

Oede Gestade,

In der Vergangenheit

Goldener Myrtenhainsdämmerung

Lila'n an deiner Hand;

Seh' mich Schüchternen

Eure Hände fassen,

Bittend blicken,

Eure Hände küssen –

Eure Augen sich begegnen,

Auf mich blicken;

Werfe den hoffenden Blick

Auf Lila; sie nähert sich mir,

Himmlische Lippe!

Und ich wanke, nahe mich,

Blicke, seufze, wanke:

Seligkeit! Seligkeit!

Eines Kusses Gefühl!

 

    Mir gaben die Götter

    Auf Erden Elysium!

Ach, warum nur Elysium!


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Seite zuletzt aktualisiert: 27.06.2005 
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