Klein ist unter den Fürsten Germaniens...


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Klein ist unter den Fürsten Germaniens freilich der meine;

    Kurz und schmal ist sein Land, mäßig nur, was er vermag.

Aber so wende nach innen, so wende nach außen die Kräfte

    Jeder; da wär' es ein Fest, Deutscher mit Deutschen zu sein.

Doch was priesest du ihn, den Taten und Werke verkünden?

    Und bestochen erschien deine Verehrung vielleicht;

Denn mir hat er gegeben, was Große selten gewähren,

    Neigung, Muße, Vertrau'n, Felder und Garten und Haus.

Niemand braucht' ich zu danken als ihm, und manches bedurft' ich,

    Der ich mich auf den Erwerb schlecht, als ein Dichter, verstand.

Hat mich Europa gelobt, was hat mir Europa gegeben?

    Nichts! Ich habe, wie schwer! meine Gedichte bezahlt.

Deutschland ahmte mich nach, und Frankreich mochte mich lesen.

    England! freundlich empfingst du den zerrütteten Gast.

Doch was fördert es mich, daß auch sogar der Chinese

    Malet mit ängstlicher Hand Werthern und Lotten auf Glas?

Niemals frug ein Kaiser nach mir, es hat sich kein König

    Um mich bekümmert, und er war mir August und Mäcen.


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Seite zuletzt aktualisiert: 25.06.2005 
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