Abglanz


Ein Spiegel, er ist mir geworden!

Ich sehe so gerne hinein,

Als hinge des Kaisers Orden

An mir mit Doppelschein;

Nicht etwa selbstgefällig

Such ich mich überall;

Ich bin so gerne gesellig,

Und das ist hier der Fall.

 

Wenn ich nun vor'm Spiegel stehe

Im stillen Witwerhaus,

Gleich guckt, eh ich mich versehe,

Das Liebchen mit heraus.

Schnell kehr ich mich um, und wieder

Verschwand sie, die ich sah;

Dann blick ich in meine Lieder,

Gleich ist sie wieder da.

 

Die schreib' ich immer schöner

Und mehr nach meinem Sinn,

Trotz Krittler und Verhöhner,

Zu täglichem Gewinn.

Ihr Bild, in reichen Schranken

Verherrlichet sich nur,

In goldnen Rosenranken

Und Rähmchen von Lasur.


 © textlog.de 2004 • 19.10.2017 16:40:31 •
Seite zuletzt aktualisiert: 22.06.2005 
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