Hochbild


Die Sonne, Helios der Griechen,

Fährt prächtig auf der Himmelsbahn;

Gewiß, das Weltall zu besiegen,

Blickt er umher, hinab, hinan.

 

Er sieht die schönste Göttin weinen,

Die Wolkentochter, Himmelskind;

Ihr scheint er nur allein zu scheinen;

Für alle heitre Räume blind,

 

Versenkt er sich in Schmerz und Schauer,

Und häuf'ger quillt ihr Tränenguß:

Er sendet Lust in ihre Trauer

Und jeder Perle Kuß auf Kuß.

 

Nun fühlt sie tief des Blicks Gewalten.

Und unverwandt schaut sie hinauf:

Die Perlen wollen sich gestalten;

Denn jede nahm sein Bildnis auf.

 

Und so, umkränzt von Farb und Bogen,

Erheitert leuchtet ihr Gesicht,

Entgegen kommt er ihr gezogen;

Doch er, doch ach! erreicht sie nicht!

 

So, nach des Schicksals hartem Lose,

Weichst du mir, Lieblichste, davon;

Und wär ich Helios der Große,

Was nützte mir der Wagenthron?


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Seite zuletzt aktualisiert: 22.06.2005 
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