Kaum daß ich dich wieder habe...


Suleika

 

Kaum daß ich dich wieder habe,

Dich mit Kuß und Liedern labe,

Bist du still in dich gekehret;

Was beengt und drückt und störet?

 

Hatem

 

Ach, Suleika, soll ich's sagen?

Statt zu loben, möcht ich klagen!

Sangest sonst nur meine Lieder,

Immer neu und immer wieder.

 

Sollte wohl auch diese loben,

Doch sie sind nur eingeschoben;

Nicht von Hafis, nicht Nisami,

Nicht Saadi, nicht von Dschami.

 

Kenn' ich doch der Väter Menge,

Silb' um Silbe, Klang um Klänge,

Im Gedächtnis unverloren;

Diese da sind neugeboren.

 

Gestern wurden sie gedichtet.

Sag'! Hast du dich neu verpflichtet?

Hauchest du so froh-verwegen

Fremden Atem mir entgegen,

 

Der dich ebenso belebet,

Eben so in Liebe schwebet,

Lockend, ladend zum Vereine,

So harmonisch als der meine?

 

Suleika

 

War Hatem lange doch entfernt,

Das Mädchen hatte was gelernt;

Von ihm war sie so schön gelobt,

Da hat die Trennung sich erprobt.

Wohl, daß sie dir nicht fremde scheinen;

Sie sind Suleika's, sind die deinen!


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Seite zuletzt aktualisiert: 22.06.2005 
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