Hegire


Nord und West und Süd zersplittern,

Throne bersten, Reiche zittern,

Flüchte du, im reinen Osten

Patriarchenluft zu kosten,

Unter Lieben, Trinken, Singen

Soll dich Chisers Quell verjüngen.

 

Dort, im Reinen und im Rechten,

Will ich menschlichen Geschlechten

In des Ursprungs Tiefe dringen,

Wo sie noch von Gott empfingen

Himmelslehr in Erdesprachen

Und sich nicht den Kopf zerbrachen.

 

Wo sie Väter hoch verehrten,

Jeden fremden Dienst verwehrten;

Will mich freun der Jugendschranke:

Glaube weit, eng der Gedanke,

Wie das Wort so wichtig dort war,

Weil es ein gesprochen Wort war.

 

Will mich unter Hirten mischen,

An Oasen mich erfrischen,

Wenn mit Karawanen wandle,

Schal, Kaffee und Moschus handle;

Jeden Pfad will ich betreten

Von der Wüste zu den Städten.

 

Bösen Felsweg auf und nieder

Trösten, Hafis, deine Lieder,

Wenn der Führer mit Entzücken

Von des Maultiers hohem Rücken

Singt, die Sterne zu erwecken

Und die Räuber zu erschrecken.

 

Will in Bädern und in Schenken,

Heil'ger Hafis, dein gedenken,

Wenn den Schleier Liebchen lüftet,

Schüttelnd Ambralocken düftet.

Ja, des Dichters Liebeflüstern

Mache selbst die Huris lüstern.

 

Wolltet ihr ihm dies beneiden

Oder etwa gar verleiden,

Wisset nur, daß Dichterworte

Um des Paradieses Pforte

Immer leise klopfend schweben,

Sich erbittend ew'ges Leben.



Quelle: www.textlog.de

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Seite zuletzt aktualisiert: 22.06.2005