Emilie an Klara

 

    Er woll' ihn morgen sprechen, sagte mir

Mein Vater, morgen! und er schien nicht freundlich.

Nun sitz ich hier und meine Augen ruhn

Und schlummern nicht - ach! schämen muß ich mich,

Es dir zu klagen - will ich stille werden,

So regt ein Laut mich auf; ich sinn und bitte,

Und weiß nicht, was? und sagen möcht' ich viel,

Doch ist die Seele stumm - o fragen möcht ich

Die sorgenfreien Bäume hier, die Strahlen

Der Nacht und ihre Schatten, wie es nun

Mir endlich werden wird.

 

Zu still ists mir

In dieser schönen Nacht, und ihre Lüfte

Sind mir nicht hold, wie sonst. Die Törin!

Solang er ferne war, so liebt' ich ihn;

Nun bin ich kalt, und zag' und zürne mir

Und andern. - Auch die Worte, so ich dir

In dieser bösen Stunde schreibe, lieb'

Ich nicht, und was ich sonst von ihm geschrieben,

Unleidlich ist es mir. Was ist es denn?

Ich wünsche fast, ich hätt' ihn nie gesehn.

Mein Friede war doch schöner. Teures Herz!

Ich bin betrübt, und anders, denn ichs war,

Da ich um den Verlornen trauerte.

Ich bin es nimmer, nein! ich bin es nicht.

Ich bin nicht gut, und seellos bin ich auch.

Mich läßt die Furcht, die häßliche, nicht ruhn.

 

    O daß der goldne Tag die Ruhe mir,

Mein eigen Leben wiederbrächt'! -

 

Ich will

Geduldig sein, und wenn der Vater ihn

Nicht ehrt, mir ihn versagt, den Teuren,

So schweig' ich lieber, und es soll mir nicht

Zu sehr die Seele kränken; kann ich still

Ihn ehren doch, und bleiben, wie ich bin.


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Seite zuletzt aktualisiert: 12.06.2005 
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