An eine Fürstin von Dessau


Aus stillem Hause senden die Götter oft

   Auf kurze Zeit zu Fremden die Lieblinge,

      Damit, erinnert, sich am edlen

         Bilde der Sterblichen Herz erfreue.

 

So kommst du aus Luisiums Hainen auch,

   Aus heilger Schwelle dort, wo geräuschlos rings

      Die Lüfte sind und friedlich um dein

         Dach die geselligen Bäume spielen,

 

Aus deines Tempels Freuden, o Priesterin!

   Zu uns, wenn schon die Wolke das Haupt uns beugt

      Und längst ein göttlich Ungewitter

         ... über dem Haupt uns wandelt.

 

O teuer warst du, Priesterin! da du dort

   Im Stillen göttlich Feuer behütetest,

      Doch teurer heute, da du Zeiten

         Unter den Zeitlichen segnend feierst.

 

Denn wo die Reinen wandeln, vernehmlicher

   Ist da der Geist, und offen und heiter blühn

      Des Lebens dämmernde Gestalten

         Da, wo ein sicheres Licht erscheinet.

 

Und wie auf dunkler Wolke der schweigende,

   Der schöne Bogen blühet, ein Zeichen ist

      Er künftger Zeit, ein Angedenken

         Seliger Tage, die einst gewesen,

 

So ist dein Leben, heilige Fremdlingin!

   Wenn du Vergangnes über Italiens

      Zerbrochnen Säulen, wenn du neues

         Grünen aus stürmischer Zeit betrachtest.


 © textlog.de 2004 • 17.10.2017 04:12:05 •
Seite zuletzt aktualisiert: 12.06.2005 
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