Memorieren

Memorieren (lat.) heißt die mit Absicht und methodisch vollzogene Aneignung von Vorstellungen. Das Memorieren ist also ein Aneignen und Einprägen zum Zweck der willkürlichen Reproduktion. Es will auf das Gedächtnis eine solche Einwirkung üben, daß es nicht nur, wie da, wo es unbeeinflußt wirkt, unwillkürlich, sondern willkürlich funktioniert, zur Erinnerung wird. Es geschieht dies durch Wiederholung und Einübung, sowie durch Umwandlung assoziativer Verbindungen in gewollte apperzeptive, welche die gegebenen Verbindungen zu befestigen und auf eine neue Weise zu der alten Ordnung zu verknüpfen imstande sind. Kant (1724-1804) unterschied mechanisches, judiziöses und ingeniöses Memorieren. Während das erste, aus buchstäblicher Wiederholung hervorgehend, die Vorstellungen einfach aneinanderreiht, ohne auf den Inhalt Rücksicht zu nehmen, achtet das zweite auf die innere Zusammengehörigkeit der Vorstellungen, ihren logischen und sachlichen Zusammenhang, ihre Einteilung und systematische Ordnung; das ingeniöse Memorieren endlich verbindet Vereinzeltes auf künstliche (zuweilen witzige) Weise assoziativ nach Ähnlichkeit und Kontrast, und symbolisch durch Erfindung eines Zeichens. Alle diese Kunstgriffe anzuwenden ist Sache der Mnemotechnik (s. d.) oder Anamnestik. Die sicherste Art des Memorierens ist jedenfalls die judiziöse. Vgl. Gedächtnis, Erinnerung. Kant, Anthropologie § 31.


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