Dem Sonnengott


Wo bist du? trunken dämmert die Seele mir

   Von aller deiner Wonne; denn eben ists,

      Daß ich gesehn, wie, müde seiner

         Fahrt, der entzückende Götterjüngling

 

Die jungen Locken badet' im Goldgewölk;

   Und jetzt noch blickt mein Auge von selbst nach ihm;

      Doch fern ist er zu frommen Völkern,

         Die ihn noch ehren, hinweggegangen.

 

Dich lieb' ich, Erde! trauerst du doch mit mir!

   Und unsre Trauer wandelt, wie Kinderschmerz,

      In Schlummer sich, und wie die Winde

         Flattern und flüstern im Saitenspiele,

 

Bis ihm des Meisters Finger den schönern Ton

   Entlockt, so spielen Nebel und Träum' um uns,

      Bis der Geliebte wiederkömmt und

         Leben und Geist sich in uns entzündet.


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Seite zuletzt aktualisiert: 12.06.2005 
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