Das Lied des Zwerges


Meine Seele ist vielleicht grad und gut;

aber mein Herz, mein verbogenes Blut,

alles das, was mir wehe tut,

kann sie nicht aufrecht tragen.

Sie hat keinen Garten, sie hat kein Bett,

sie hängt an meinem scharfen Skelett

mit entsetztem Flügelschlagen.

 

Aus meinen Händen wird auch nichts mehr.

Wie verkümmert sie sind: sieh her:

zähe hüpfen sie, feucht und schwer,

wie kleine Kröten nach Regen.

Und das Andre an mir ist

abgetragen und alt und trist;

warum zögert Gott, auf den Mist

alles das hinzulegen.

 

Ob er mir zürnt für mein Gesicht

mit dem mürrischen Munde?

Es war ja so oft bereit, ganz licht

und klar zu werden im Grunde;

aber nichts kam ihm je so dicht

wie die großen Hunde.

Und die Hunde haben das nicht.


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Seite zuletzt aktualisiert: 10.06.2005 
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