Nephritis, Nephritisch

Nephritis Nierenentzündung. Man unterscheidet: 1. Nephritis acuta. Nach den verschiedenen Infektionskrankheiten besonders Scharlach, dann durch Toxine und Vergiftungen, besonders Phosphor, chlorsaures Kali usw. Ferner nach Erkältung (Anginen). Beginn uncharakteristisch oder auch mit schwerem Krankheitsgefühl, Benommenheit, evtl. Nierenschmerzen. Bald Ödeme im Gesicht besonders Augenlider. Hydrothorax, Aszites. (Doch können Ödeme usw. auch fehlen.) Harn: trüb, anfangs bis auf 600—400 ccm vermindertes, hohes spezielles Gewicht 1020—1030. Viel Eiweiß: 0,3—1,0%. Zahlreiche hyaline und granulierte Zylinder, evtl. mit Epithelien und roten Blutkörperchen bedeckt. Auch reine Blutkörperchenzyl. Je nach der Menge des Blutes im Urin gelblich bis rotbraun = hämorrhagische Nephritis Genesung oder Übergang in: 2. Nephritis chronica (subchronica) Ursache wiederholte Erkältung, Syphilis, Alkoholism, eventuell Malaria. Ferner im Anschluß an Nephritis acuta. Man kann hier wieder trennen in chronisch hämorrhagische Nephritis und chronisch nonhämorrhagische = große weiße Niere = BRIGHT Krankheit, wobei außer dem im Sediment vorhandenen Blut kein wesentlicher Unterschied besteht. Harn: trüb, rotgelb, bei der hämorrhagischen Form mit braunrotem (= Blutkörperchen) — Sediment. Menge weniger vermindert als bei der acuta (= 800 ccm) auch speziell Gewicht etwas weniger erhöht = 1015—1025. Eiweiß eher reichlicher = 0,5—2%. Zylinder wie bei der acuta, nur tritt hier schon Verfettung des Zylinders und Epithels auf. Fettkörnchenzellen, Ödeme und Höhlenergüsse wie oben. Hypertrophie des linken Ventrikels, Retinitis albuminurica. Urämie. Selten Heilung. Besonders bei der nonhämorrhigischen Form stärkere Verfettung, stärkere Ödeme und Urämie. Koma. Tritt nicht Heilung oder Tod ein, so erfolgt Übergang in die sekundäre Schrumpfniere, mit Eiweiß- und Zylinderabnahme, spätere Vermehrung der Harnmenge, geringere oder fehlende Ödeme. Herzinsuffizienz. Urämie, doch kann sich dieser Zustand über viele Jahre hinziehen. Neben dieser sekundären Schrumpfniere gibt Nephrom es eine primäre = genuine, beide gemeinsam als Nierensklerosen bezeichnet. Die primäre (deren gutartige Form nach VOLHARD "Hypertonie" genannt wird) entsteht besonders bei Gicht, Nierengicht (W. EBSTEIN), chronischer Vergiftung, Arteriosklerose, Syphilis usw. Beginn schleichend, oft erst durch Sehstörungen, Urämie, Apoplexie oder erhöhten Blutdruck (bis 220!) festgestellt. Harn vermehrt, blaßgelb, spezielles Gewicht niedrig 1012—1005 wenig hyalischer Zylinder, wenig Eiweiß: ½—1½ pro mille. Stets Herzhypertonie mit gespanntem Puls. Blutdruck stets erhöhte Retinitis albuminurica. Im Endstadium evtl. Eiweiß infolge Herzinsuffizienz = Stauungsniere, die bei allgemeinen Stauungserscheinungen infolge unkompensierter Herzfehler (auch hochgradigem Emphysem) auftritt. Hier nicht angeführt, weil unter die nicht entzündlichen Nierenerkrankungen = Nephrosen (s. d.) zurechnen, ist die Amyloidniere. Nephritis gravidarum Schwangerschaftsniere, bald Stauungsniere, bald Erkrankung sui generis s. Schwangerschafts-Nephritis. Eine weitere Form ist die eitrige Nephritis. der Nierenabszeß, nach Infektionen vom Nierenbecken oder vom Blute aus. Vgl. Harnsäureinfarkt. Nephritis achlorica Nierenentzündung mit Fehlen der Chloride im Harn. Nephritis caseosa käsige, tuberkulöse Nephritis. Nephritis suppurativa Nierenabszeß. Nephritis syphilitica die seltene akute Nephritis durch Syphilis, durch Behandlung der Syphilis heilbar vgl. auch Pädonephritis. — Nephritisch an Nephritis leidend; durch Nephritis bedingt.


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Seite zuletzt aktualisiert: 19.05.2010 
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