Grippe-Influenza

Grippe-Influenza (GAGLIARDI 1733), von franz. gripper = greifen, von anderen abgeleitet a. dem rußischen Wort Chripu Heiserkeit. Epidemische evtl. pandemische Infektionskrankheit mit Fieber, Störung der Atmungs- und Verdauungsorgane und des Nervensystems oder nur mit den Krankheitserscheinungen einer dieser Systeme. Man unterscheidet auch je nach dem Ort, an dem sich die Erkrankung später hauptsächlich festsetzt: Grippe Empyem, Grippe Encephalitis, Grippe Herzerkrankung, Grippe Nephritis, Grippe-Pneumonie, Grippe Polyneuritis usw. PFEIFFERS Bazillus — der kleinste, nur 1/3 des Tuberkulose Bazillus — entdeckt 1891-1892, durch Kultur auf Blutagar nachweisbar. [Er ist unbeweglich, gramnegativ, nach OBLISZKY und GATES soll das ebenfalls gefundene Bakterium pneumosintes (lat. Lungenverwüster), das eigentlich schädigende Bakterium sein.] Er wächst auf Agar nur in Wärme und Anwesenheit von Hämoglobin. Außerhalb des Körpers geht er unter den gewöhnlichen Verhältnissen rasch zugrunde. Doch ist die Influenza Verbreitung leicht verständlich, da nach 2 Wochen in den Sekreten der Atmungdorgane noch Bazillen vorhanden und die Disposition allgemein zu sein scheint. Nach Überstehen der Erkrankung ist die Immunität nur von sehr kurzer Dauer. HÖCHST stellt ein Grippe-Serum dar. Besonders schwer sind diejenigen Erkrankungen, die wesentlich das Nervensystem betreffen. Außer Stirn-, Kreuz-, Gliederschmerzen evtl. schwerer Benommenheit und Delirien sieht man Fälle, die als Folge einer akuten Grippeencephalitis sich erweisen: bis dahin scheinbar gesunde Menschen stürzen bewußtlos, event. mit Krämpfen zusammen, wodurch das Bild eines Schlaganfalles vorgetäuscht wird, besonders wenn dann noch Lähmung einzelner Rindengebiete auftreten (Verlust der Sprache, Armlähmung). Die schwersten Grippefälle sind jedoch diejenigen, die mit Encephalitis lethargica (ECONOMO) enden, besonders wenn man in Betracht zieht, daß die Erkrankung oft erst ein halbes Jahr nach überstandener Grippe auftritt. Im Frühjahr 1927 erklärte der Leiter der Nervenabteilung des Friedrich Wilhelm Hospital in Berlin, daß wohl in Berlin allein noch einige 100 Fälle der Erkrankung vorliegen, wenn auch wenig neue mehr dazukommen,daß in 46 Großstädten Deutschlands im Jahre 1925 bereits 74 Todesfälle gemeldet sind und daß im Jahre 1926 diese Zahl sich verdreifacht hat. Vor allein interessant ist die Tatsache, daß neben dieser "Schlafkrankheit", der Parkinsonismus (nicht PARKINSONS Krankheit) genannten (s. d.), auch die Erscheinungen der ursprünglichen "Gehirngrippe" noch vorhanden sein können. Eine spezielle Behandlung ist noch nicht gefunden, auch ist noch unbekannt, ob diese Folge-Krankheit der Grippe auch noch ansteckend ist. Schwer scheint die Grippeepidemie Winter 1928/29 in Amerika zu sein, scheinbar weniger schwer, dagegen aber auch kleine Kinder erfassend, in Deutschland. (Berlin.)


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