Chorea

Chorea gr. choreia Tanz. Chorea St. Viti Veitstanz, ursprünglich Bezeichnung für die Tanzwut, s. d., des 14. Jahrh., zu deren Heilung man nach der Veitskapelle bei Ulm wallfahrtete; seit SYDENHAM 1624—1689 Name einer Nervenerkrankung, die in Muskelunruhe, Folie musculaire, und in Koordinationstörung bei den willkürlichen Bewegungen besteht und sich mit Störungen der Stimmung und des Intellekts, zuweilen bis zu Psychosen, verbindet. Diese eigentliche Chorea, Chorea minor (im Gegensatz zur major = Grande Hysterie), teilt man in die SYDENHAMsche Chorea oder Chorea der Kinder, in die Chorea der Schwangeren und in die HUNTINGTONsche Chorea = Chorea hereditaria = Chorea chronica progressiva = Chorea der Greise. Chorea mollis, Chorea paralytica Chorea minor mit geringen flüchtigen Zuckungen und ausgesprochenen Paresen oder Pseudoparesen. Als Sitz der Chorea ist das striäre System anzusehen, als Ursache der Chorea der Kinder und der Schwangeren eine Infektion, vgl. Rheumatismus 1; Chorea minor kommt oft im Verein mit Gelenkrheumat. und Endokarditis vor. Bei der HUNTINGTONschen Form und bei einseitiger Chorea, Hemichorea, Chorea dimidiata, Chorea prae- und posthemiplegica, sowie bei den choreiformen Bewegungen bei Encephalitis epidemica usw. organische Veränderungen jenes Bezirks. Therapie: vollkommene Isolierung, möglichst im Krankenhaus; Bettruhe, laue Bäder, Arsenik, Scopolamin, Aspirin; für guten Schlaf sorgen; mehrtägige Immobilisierung (Schienenverbände) bringt oft schnelle Heilung. — Indikation für Frühgeburt bei Chorea gravis: Erschöpfungszeichen, ungenügende Nahrungsaufnahme. 2. Chorea major oder Chorea Germanorum benannte man die verwickelten Krampfbewegungen der großem Hysterie. 3. Als falsche Chorea bezeichnet man den Paramyoclonus multiplex mit seinen Unterarten Chorea febrilis MORVAN, Chorea electrica BERGERON = Chorea electrica HENOCH, selbständig oder bei Hysterie oder Epilepsie, und die Chorea electrica DUBINI; letztere ist eine Äußerung der Malaria oder anderer infekt. organischer Gehirnaffektionen und besteht in plötzlichen Zuckungen mit nachfolgender Lähmung und führt oft zum Tode. — Chorea variabilis s. v. w. Tickkrankheit. — Chorea festinans, Chorea procursiva s.v.w. Paralysis agitans. Schüttellähmung Chorea rhythmica, Chorea malleatoria, Chorea natatoria und saltatoria, rhythmische Bewegungen des hysterischen Anfalls, wobei die Bewegung des Schmiedens, des Schwimmens, Tanzens usw., nachgeahmt werden, s. Striäres System.


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Seite zuletzt aktualisiert: 19.05.2010 
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